Anmeldung
Seniorenheim Rudolstadt

Bevor die SeniorInnen in unser Haus einziehen, möchten wir Sie gerne kennen lernen. Für ein Gespräch vereinbaren interessierte SeniorInnen bzw. ihre Angehörigen zunächst einen Besuchstermin mit uns. Sollte dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein, besucht unser Heimleiter oder die verantwortliche Pflegedienstleiterin die Senioren auch zu Hause.


Gern stellen wir Ihnen weiteres Informationsmaterial über unsere Einrichtung zur Verfügung und sind für Rückfragen nach telefonischer Anmeldung persönlich für Sie da.

Artikel einer Angehörigen aus dem Marcus 25/2017

Das letzte Zuhause

 

Ingeburg ist im September gestorben. Mit 91 Jahren, im Pflegeheim der

Arbeiterwohlfahrt in Rudolstadt-Schwarza. ln den letzten Tagen waren ihre vier

Kinder rund um die Uhr bei ihr. Zeit für Erinnerungen. Händehalten. Da sein.

Noch ein Jahr zuvor lebte die Mutter in ihrer Wohnung, früh und abends betreut

von einem Pflegedienst, der vor allem zum Waschen kam.

 

Nach dem Tod ihres Mannes 1984 hatte sich Ingeburg mehr und mehr

zurückgezogen, was die Kinder verstanden, aber auch mit Sorge sahen.

Wir wollten unsere Mutter sachte, ganz sachte  an andere Menschen

gewöhnen, an Fremde. Sie damit vertraut machen, dass eine neue Etappe

in ihrem Leben begonnen hatte, die sie meistern musste - mit unserer Hilfe

aber auch mit pflegerischer Unterstützung. Tochter Roswitha ist rüstig mit

ihren heute 69 Jahren, arbeitete zu der Zeit noch, hatte wie ihre Geschwister

die eigene Familie zu versorgen. Ihre Schwester Gabriele ging täglich mit der

Mutter spazieren, brachte Essen und Einkäufe.

Aber wir waren uns einig, Mutter musste raus aus ihren vier Wänden, unter

Leute kommen sagt Roswitha. Die Lösung war die Volkssolidarität. Lange

Jahre war unsere Mutter fast jeden Tag in der Begegnungsstätte in der

Prof.-Schmiedeknecht-Straße, wo sie mit ·ungefähr Gleichaltrigen

zusammenkam. Hier konnte sie sich unterhalten, Gemeinsamkeiten entdecken.

Wer wollte und konnte machte Gymnastik oder Gehirnjogging, spielte Spiele.

Ganz besonders begeisterten sie die Ausflüge. Täglich konnte man dort zu

Mittag essen und gemeinsam Kaffee trinken. Zusammengefasst könnte man

es wohl soziale Teilhabe nennen, die ja so wichtig ist.

Man lebt sein Leben, die Kinder werden groß, die Eltern älter, alt. Man selbst

hat auch nicht mehr die Kraft, nicht die Zeit, alles "auf die Reihe" zu kriegen.

Was wird in fünf Jahren sein, was in zehn? Gegen Unfälle, Krankheiten, die

zu Pflegebedürftigkeit führen können, sei niemand gefeit, aber auch auf das

"ganz normale Altern" müsse man sich einrichten. 
"Und zwar frühzeitig" weiß Roswitha. Niemand lernt, wie es ist, alt zu sein.

Jeder Mensch altert anders. Jeder Mensch blickt im Alter auf ein Leben

zurück, das einzigartig ist, mit ganz eigenem Erleben. In den 1920ern geboren,

war Ingeburgs Jugend geprägt von Krieg und Nachkriegszeit. Ihr Leben lang

war sie gewohnt, für andere da zu sein. "Unsere Mutter hat buchstäblich ihr

ganzes Leben gearbeitet; und das mit  uns vier Kindern.

Vermisst haben wir nichts, dabei sind wir häufig umgezogen, immer dahin, wo

der Vater im Bergbau gearbeitet hat, den sie nach dem Krieg in Freyburg an

der Unstrut kennengelernt hat. Uran-Bergbau: Johann-Georgenstadt, Dittrichs-

hütte, Ronneburg. Mutter hat als Chemielaborantin gearbeitet, dann beim

FOGB, lange Jahre hatte sie in Bad Blankenburg den Strumpfladen, später

den Stoffladen in Rudolstadt. Sie war mit Leib und Seele Verkäuferin, war

bekannt und beliebt. Mit Freunden wurde gefeiert, der Vater spielte Akkordeon

und Gitarre, im Urlaub ging's meist an die Ostsee ... "

 

Nach Hüftoperationen war Ingeburg auf den Rollator angewiesen, doch sie

kam weiter unter Menschen. Jeden Morgen wurde sie von der DRK -

Tagespflege in Schwarza geholt und nachmittags wieder nach Hause ge-

bracht. In der Nachbarschaft ein Kindergarten. Ein geregelter Tagesablauf,

Unternehmungen, gute Ideen der Betreuer und der Besuch der Kindergarten-

kinder waren das Erfolgsrezept zum Wohlfühlen. Das Abendessen machte ihr

Sohn Hans-Peter.

Nach einem Sturz mit Rippenbrüchen übernahm die AWO in Volkstedt die

Kurzzeitpflege. Dann machte ein Schlaganfall intensivere Betreuung nötig.

Das Pfleqeheim der Arbeiterwohlfahrt war Ingeburgs letztes Zuhause.

 

Ein Sonnenschein war unsere Mutti zu diesem Zeitpunkt nicht.

 

Ihre Beeinträchtigungen machten ihr sehr zu schaffen, sagt Roswitha. Nicht

laufen und sich nicht richtig verständlich machen zu können, verändert auch

den Charakter. Durch vielfältige Aktivitäten hat das Personal versucht, ihr das

Leben zu erleichtern und es zu verschönern. Roswitha Krause möchte sich,

auch im Namen ihrer Geschwister Gabriele, Hans-Peter und Friedrich-Arnold,

bei den Trägern der verschiedenen Einrichtungen für die Betreuung der

Mutter bis zu deren Lebensende bedanken. Wie man mit den Alten in der

Gesellschaft umgehe in deren letzten Jahren, das habe auch etwas mit

Respekt und Anerkennung von Lebensleistunqen zu tun. "Im Alltag ist

es für die Pfleger sehr schwer, für jeden viel Zeit und Geduld aufzubringen.

Wichtig ist, dass man auch als Familie einiges tun kann, sich einbringen sollte -

regelmäßige Besuche, freundlicher Umgang mit und Verständnis für die

schwere Arbeit des Personals. Denn, wir haben in allen Einrichtungen viele

hoch motivierte Menschen kennengelernt, die ihren Beruf als sinnstiftend und

erfüllend empfinden, aber auch extrem hohe Arbeitsbelastung. Respekt,

Anerkennung und vor allen Dingen ein großes, herzliches Dankeschön."

 

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